Wie äußert sich Co-Abhängigkeit in Beziehungen?

Aktualisiert: 10. Feb. 2021


Co-Abhängigkeit oder ein ungesundes Symbiosemuster bedeutet im Grunde eine verlorene Ich-Identität. Diese Menschen fühlen sich oft, als würden sie ihren Platz auf der Welt nicht finden, sich nie irgendwo wirklich willkommen fühlen. Wenn sie sich mal einem Menschen geöffnet haben, verschmelzen sie regelrecht mit ihm und können nicht mehr ohne ihn sein. Die Gefühle und Bedürfnisse dieser Personen wurden oft als Kind nicht wirklich wahrgenommen oder sogar verurteilt. Um die Verbindung zu ihrer Umgebung nicht zu verlieren, opferten sie die Verbindung zu sich selbst und kreisten nur noch im außen, scannten ihr Umfeld, um entweder ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zu bekommen, oder zumindest keine negative Aufmerksamkeit wie Schläge oder Beschimpfungen. Das eigene Ich, wird an die Bedürfnisse der Umgebung angepasst und es wird ein sehr sensibles Gespür dafür entwickelt was andere brauchen. Nach einer gewissen Zeit verliert es dann die Fähigkeit, aus sich selbst heraus ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Ohne ein gesundes Innenleben, bleibt dann nur noch der Versuch Erfüllung in der Außenwelt zu finden. Im Erwachsenenalter äußert sich das oft in abhängigen Beziehungsmustern. Hier ein paar Beispiele:

Verena kann nachts nicht schlafen, weil sie sich um die Probleme ihres Freundes Gedanken macht. Sie übernimmt seine Gefühle und nicht ihre eigenen. Sie opfert sich auf, um ihn glücklich zu machen. Sie gerät in die Retterrolle. Denn ihr Glück ist davon abhängig wie es ihm geht. Außerdem wird das Selbstwertgefühl dadurch aufrecht erhalten, indem man anderen hilft und sich um sie kümmert.

Maximilian ist seit 6 Monaten mit seiner Freundin zusammen, endlich fühlt er sich geliebt und angenommen und schwebt im 7. Himmel. Von heute auf morgen, macht sie mit ihm Schluss, weil sie einen anderen Mann kennengelernt hat. Daraufhin möchte sich Maximilian das Leben nehmen, da er ohne sie, keinen Sinn im Leben sieht. Er hat kein wirkliches Selbstwertgefühl, das von innen kommt. Sein Selbstwertgefühl hängt von anderen Menschen ab. Wenn er Glück hat, findet er schnell eine neue Freundin, die ihm seine Löcher stopfen kann, oder er verfällt in eine tiefe Depression.

Co-abhängiges Verhalten weist darauf hin, dass die kindlichen Bedürfnisse eines Menschen nicht befriedigt worden sind und er deshalb gar nicht wissen kann, wer er eigentlich ist.

Oft haben diese Personen viele, viele Jahre unglücklicher Beziehungen hinter sich, bevor sie ihr eigenes Muster erkennen und sich Hilfe suchen. Das sind auch oft Personen, die sich von ihren Partnern schlecht behandeln lassen, da sie dies immer noch vorziehen, als alleine zu sein.


Das Selbstwertgefühl muss wieder aufgebaut werden und die Bedürfnisse des Inneren verletzten Kindes anerkannt und vom Erwachsenen Ich erfüllt werden. Auch mit der systemischen Selbstintegration kann hier das ungesunde Symbiosemuster bewusst gemacht werden und die Verschmelzung mit dem eigenen Selbst nachgeholt werden. Die Wirkungsweise dieser Therapieform ist erstaunlich und erste Erfolge sind schon nach kurzer Zeit zu erzielen.

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